Kreuzbandplastik: Vorteil der Doppelbündel-Technik?



Kurzbericht vom Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2009.

Indikationen und Technik zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes (VKB) am Kniegelenk werden seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Wie Privatdozent Dr. Carl Haasper von der Medzinischen Hochschule Hannover (MHH) beim DKOU berichtete, könne anhand der Literatur aber als gesichert betrachtet werden, dass eine Ruptur des VKB einer erweiterten Diagnostik bedarf. Kolateralschäden seien sicher therapiewürdig und träten auch relativ häufig auf. Daher sei anzunehmen, dass der symptomatische Patient im Sinne einer persistierenden Unsicherheit, eines „Givingways“ oder mit schmerzhaften Schwellungen sekundär operiert werden sollte.

„Gesichert ist auch, dass ein Riss grundsätzlich zu einer beschleunigten Osteoarthrose führt. Inwieweit diese durch einen operativen Ersatz zumindest verlangsamt werden kann, ist jedoch unklar“, betonte Haasper. Für eine systematische Analyse sei dabei die Vielfalt der angewandten Techniken problematisch: Nach dem Wandel von der offenen zur arthroskopischen Technik seien verschiedenste Transplantate und Fixationstechniken verwendet und immer wieder modifiziert worden. Auch die Tunnelpositionierung sei immer wieder diskutiert worden – man habe sich heute vage auf den Terminus „anatomisch“ verständigt.
Dabei sei auch die „Doppelbündel-Rekonstruktion“ als moderne Technik in der Diskussion. „Es ist Konsens, dass das Ziel des VKB-Ersatzes eine möglichst genaue Wiederherstellung der Anatomie sein sollte“, erläuterte Haasper. Grobe Abweichungen könnten zu Bewegungseinschränkungen und Störungen der Kinematik des Gelenks führen. Mit Blick auf die Ergebnisse habe bisher noch keine Studie auf gehobenem Evidenzlevel einen Vorteil des Ergebnisses nach Doppelbündel-Rekonstruktion zeigen können. Allerdings sei die Osteoarthroserate auch nach „einfachem“ VKB-Ersatz allgemein unbefriedigend hoch, meinte der MHH-Experte.

Referent: Privatdozent Dr. Carl Haasper, Medzinische Hochschule Hannover (MHH), Klinik für Unfallchirurgie

 
 
 
Quelle: Chirurgen Magazin 42 (Ausgabe 6.2009, Dezember 2009 bis Januar 2010)
 

Do. 17.12.2009