NARKA 2013: Perioperatives Management von Patienten mit Herzschrittmachern


Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren (ICD) sind hochspezialisierte Geräte, die auf elektromagnetische Strahlung im Operationssaal - etwa durch Elektrokauter - sehr empfindlich reagieren können. Darauf hat Prof. Uwe Schirmer beim diesjährigen Kongress niedergelassener Anästhesisten (NARKA) vom 13. bis 15. September 2013 in Aachen hingewiesen. Schirmer ist Sprecher des wissenschaftlichen Arbeitskreises Kardioanästhesie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und befasst sich intensiv mit der Störanfälligkeit von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren (ICD). "Nirgends gibt es eine größere Dichte von Quellen für elektromagnetische Interferenzen als im OP-Saal", warnte der Experte. Problematisch seien alle Geräte, die mit Wechselstrom betrieben würden. "Ein Elektrokauter kann die Funktion der Devices stören, NMR und Strahlentherapie können das Device sogar komplett zerstören." Keine Störungen würden hingegen durch Ultraschall, ältere CT-Geräte oder Gleichstromgeräte verursacht. Grundsätzlich unkritisch seien alle Operationen unterhalb des Bauchnabels, weil hier der Abstand zum Device ausreichend groß sei. Gleiches gelte auch für handchirurgische Eingriffe. Wie ein Herzschrittmacher oder ICD auf elektromagnetische Störungen reagiere, sei schwer vorhersehbar. "Manchmal erkennt das Gerät ein Störsignal und schaltet sich aus, wobei nicht klar ist, ob die Schockabgabe nur vorübergehend unterdrückt wird oder ob das Gerät nach der OP wieder neu programmiert werden muss", erläuterte Schirmer. Manche Devices ließen sich durch einen Magneten vorübergehend deaktivieren - allerdings schalte sich nicht jedes Modell nach Entfernen des Magneten wieder zurück in die vorgesehenen Einstellungen. Daher sei es für Anästhesisten und Operateure oberstes Gebot, im Vorfeld einer Operation zu klären, was der Patient für ein Gerät aus welchem Grund implantiert bekommen hat. "Es macht schließlich einen Unterschied, ob der Patient den Schrittmacher nur prophylaktisch trägt, damit im Bedarfsfall die Herzfunktion unterstützt wird, oder ob er schon zweimal wegen Vorhofflimmern reanimiert werden musste und eigentlich gar keine Eigenfrequenz mehr aufweist", sagte Schirmer. Hierfür sollte der Kardiologe kontaktiert werden, der das Device implantiert hat. Verbindliche Angaben darüber, wie ein Device während einer Operation auf elektromagnetische Störsignale reagiert, könne nur der Hersteller geben. Die Hersteller unterhielten Hotlines, bei denen man rund um die Uhr anrufen und bei Bedarf auch einen Mitarbeiter anfordern könne, der unmittelbar nach einer Operation das Device wieder neu programmiert.

 
 
Antje Thiel

18.09.2013