Manipulationen: SpiFa fordert mehr Kontrolle der gesetzlichen Krankenkassen


"Das sind keine Schummeleien, das ist schon Betrug. Kassen machen ihre Versicherten auf dem Papier kränker als sie sind", wertete Dr. med. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Hintergrund ist der Ende August veröffentlichte Jahresbericht für 2012 des Bundesversicherungsamtes (BVA), in dem unter anderem Unregelmäßigkeiten bei der Einstufung von Diagnosen und Schweregraden aufgefallen waren.

Der SpiFa kritisierte in einer Pressemitteilung: "Patienten, die weniger krank sind, werden kränker gemacht; wirklich Kranke werden von Kassen diskriminiert und ihnen, chronisch und psychisch Kranken und Rentnern, Leistungen verweigert." Gassen forderte hierzu: "Mehr Geld aus dem System zu ziehen und es dann auch noch den Bedürftigen zu verweigern, ist schlicht Zynismus. Diese Verantwortungslosigkeit muss geahndet werden." Das Versprechen der Kassen, die Manipulationen aufzuklären, sei zu wenig: "Wir erwarten jetzt ein regelmäßiges Monitoring der Arbeit der Gesetzlichen Krankenkassen. Die Wahrheit über die Arbeit der Gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht scheibchenweise ans Licht kommen." Der SpiFa begrüßte es deshalb, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Kassenskandal zur Chefsache machen wolle.

Der SpiFa berief sich auf Medieninformationen, wonach "jede zweite Kasse unter Manipulationsverdacht" stehe. So habe beispielsweise eine BKK die Zahl der Herzinfarkte auf 280 Prozent hochgetrieben - im Schnitt verzeichneten die Kassen weniger als ein Prozent. "Die Kassen vergiften regelmäßig mit Vorwürfen unnötiger ärztlicher Leistung das Klima zu den Fachärzten und spielen sich als Oberkontrolleur auf. Dies muss ein Ende haben", so das Fazit des SpiFa.

Zwischenzeitlich veröffentlichte das BVA allerdings eine Klarstellung, wonach es sich lediglich um "statistische Auffälligkeiten" handele. Ein konkreter Manipulationsverdacht bestehe nicht.

Zum Tätigkeitsbericht für 2012 des BVA gelangen Sie hier.

Zur Klarstellung des BVA gelangen Sie hier.

Zur Stellungnahme des SpiFa gelangen Sie hier.

 
 
Antje Thiel

11.09.2013