Internationale Fachgesellschaften fordern besseren Zugang zu Kinderchirurgie weltweit


Im Jahr 2050 leben laut UN-Berechnungen 9,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Das Wachstum findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt. Wie die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) mitteilte, sind schon jetzt rund 45 Prozent der Gesamtbevölkerung Afrikas Kinder unter 15 Jahren. In Europa dagegen stagniere die Bevölkerungsrate und der Anteil an Kindern, der derzeit 15 Prozent beträgt, gehe weiter zurück. In wohlhabenden Ländern wie Deutschland bestehe die Herausforderung darin, trotz sinkender Kinderzahlen den hohen Qualitätsstandard in der Kinderchirurgie - beispielsweise durch Zentrenbildung - halten zu können. In Ländern wie Afrika, China oder Indien stelle sich hingegen die Frage, wie Heranwachsende überhaupt kinderchirurgisch behandelt werden können. DGKCH-Vorstandsmitglied Prof. Jörg Fuchs forderte daher: "Kinderchirurgen der wohlhabenden Industrienationen sind daher aus ethischen Gründen gefordert, zu einer adäquaten chirurgischen Versorgung von Kindern in ärmeren Ländern beizutragen." Fuchs ist in diesem Jahr Gastgeber des diesjährigen Kongresses der World Federation of Associations of Pediatric Surgeons (WOFAPS), der vom 13. bis 16. Oktober 2013 in Berlin stattfindet.

Die WOFAPS setzt sich für die Ausbildung von Kinderchirurgen in der Dritten Welt ein. Ermöglicht werden soll dies durch einen Fonds, der Medizinern aus benachteiligten Ländern die Teilnahme an Austauschprogrammen ermöglicht. Ebenso sei es Ziel, dass das Fach Kinderchirurgie an vielen Universitäten in Entwicklungsländern eingerichtet wird. "Diese Lehrstühle sollten von den Industrieländern mit Experten unterstützt werden", meinte Fuchs. Ein weiteres Anliegen der Experten sei die Weiterbildung von Kinderchirurgen zum Einsatz in Katastrophengebieten. Erfahrungen in Tahiti und anderen Regionen hätten gezeigt, dass hierfür ausgebildete Kinderchirurgen fehlten. Die DGKCH und die WOFAPS forderten deshalb, an europäischen Universitäten das Fach Katastrophen- und Entwicklungsmedizin einzuführen, um so im Bedarfsfall weltweit eine qualitativ gute Versorgung schwer verletzter Kinder bieten zu können.

Weitere Informationen zur Kyota Declaration of Pediatric Surgery finden Sie hier hier.

Informationen zum WOFAPS-Kongress 2013 finden Sie hier.

 
 
Antje Thiel

08.10.2013