DGKCH: Unfälle und Misshandlung häufigste Todesursache von Kleinkindern



Die häufigste Todesursache von Kleinkindern im Alter von ein bis vier Jahren sind hierzulande Verletzungen durch Unfälle. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) hingewiesen. Unfälle in dieser Altersgruppe seien mit etwa 60.000 Behandelten im Jahr 2010 – nach Atemwegserkrankungen – auch der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt. Doch gerade bei sehr kleinen Kindern könne ebenso eine Misshandlung hinter den Verletzungen stecken – mit vermuteter hoher Dunkelziffer. Die DGKCH fordert zum bundesweiten Kindersicherheitstag der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“ am 10. Juni 2013 deshalb mehr Schutz für Kinder im häuslichen Umfeld und gibt Tipps zur Unfallvermeidung.

In den ersten Lebensjahren seien Stürze mit etwa 60 Prozent die häufigste Unfallursache. Mehr als zwei Drittel der Einjährigen erlitten, wenn sie fallen, eine Schädelverletzung. Doch nicht alle Kopfverletzungen rührten von unglücklichen Stürzen her: „Besonders in den ersten Lebensjahren müssen wir leider bei jedem Unfall auch daran denken, dass Kindeswohlgefährdung eine Rolle gespielt haben könnte“, sagte Prof. Guido Fitze, Vorstandsmitglied der DGKCH. „Wir vermuten, dass etwa ein Drittel aller Sterbefälle im Säuglingsalter mit äußerer Gewalteinwirkung zusammenhängen.“ Häufigste Ursache sei das Schütteltrauma. Auch Knochenbrüche gingen häufig auf das Konto von Kindesmisshandlung: „Wir schätzen, dass bis zu jeder zweite Knochenbruch im ersten Lebensjahr eine Folge von Kindesmisshandlung ist“, führte Fitze aus.

Wichtig sei deshalb eine intensive Weiterbildung von Pflegekräften und Ärzten, um rechtzeitig Probleme zu erkennen und um Handlungssicherheit zu vermitteln. „Uns Kinderchirurgen kommt hier eine Schlüsselposition zu, da uns die Kinder zur Behandlung vorgestellt werden“, sagte der DGKCH-Experte und forderte für jede Klinik, die Kinder behandelt, eine Kinderschutzgruppe. Leider fehlten vielerorts Personal und Mittel, denn in den Fallpauschalen der Krankenkassen sei die Leistung „Kinderschutz“ nicht hinreichend abgebildet.

Weitere Informationen zum Kindersicherheitstag finden Sie hier: www.kindersicherheit.de
 

 
 
Antje Thiel

07.06.2013