Neurodoping – jeder fünfte Chirurg greift zu leistungssteigernden Substanzen



Chirurgen stehen häufig unter einer enormen Arbeitsbelastung. Manch einer greift zu verschreibungspflichtigen Substanzen, um sich gegen Müdigkeit und Stress zu wappnen. Wie verbreitet dieses Verhalten ist, haben Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz untersucht. Bei fünf internationalen chirurgischen Konferenzen verteilten sie gut 3.300 Fragebögen zum Umgang mit leistungssteigernden und stimmungsaufhellenden Substanzen und sicherten den Befragten dabei strikte Anonymität zu. Die Rücklaufquote lag mit 1.145 Fragebögen bei 36,4 Prozent. Im Schutz der Anonymität habe fast jeder fünfte Chirurg zugegeben, sich mit leistungssteigernden Substanzen zu dopen. Auch die Einnahme von Antidepressiva ist demnach weit verbreitet: 15 Prozent gaben an, diese Medikamente zur Stimmungsaufhellung einzunehmen.

„Die Einnahme von solchen Enhancern ist bei Chirurgen häufiger als wir angenommen haben“, kommentierte Klinikdirektor Prof. Klaus Lieb die Studie. Doch könne man keine Aussagen darüber treffen, ob die Ärzte diese Mittel vor oder während einer Operation einnähmen. „Danach haben wir aus rechtlichen und ethischen Gründen nicht gefragt“, erläutert Lieb gegenüber dem Online-Portal Medscape. Die Mainzer Studie sei weltweit die erste umfassende Untersuchung zum Neuroenhancement bei Chirurgen, die sowohl mit der konventionellen Methode arbeitet, als auch mit einem speziellen Verfahren, der Randomized Response Technique (RRT), die ein äußerst hohes Maß an Anonymität garantiere.

Den vollständigen Artikel bei Medscape finden Sie hier:
www.medscapemedizin.de

Zu einem Abstract der Mainzer Studie gelangen Sie hier:
www.ncbi.nlm.nih.gov
 

 
 
Antje Thiel

05.07.2013