Geschlechtsspezifische Unterschiede – in der Chirurgie eine unbekannte Größe?



2012 wurde von Expertinnen der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) die Arbeitsgruppe Gendermedizin ins Leben gerufen. Nach einer Umfrage unter Fachkollegen kommt Prof. Dr. Beate Rau, Chirurgin an der Charité und Sprecherin der Arbeitsgruppe zu einem ernüchternden Ergebnis: „Für viele Chirurgen sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was die chirurgische Herangehensweise betrifft, immer noch unbekanntes Terrain.“

Rau beschreibt die Ziele der Arbeitsgruppe wie folgt: „Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Viszeralmedizin, auf die wir in unserer chirurgischen Arbeit Rücksicht nehmen müssen, um unsere Gesamtbehandlungsergebnisse zu verbessern? Zweifellos sind sie existent – aber es wurde ihnen bislang keine wesentliche Bedeutung beigemessen. Daher ist Genderforschung auch in unserem Fach dringend notwendig. Durch Herausarbeitung geschlechtsspezifischer Aspekte in Diagnostik und Therapie können wir auch die chirurgische Therapie gezielter ausrichten. Die Kooperation mit anderen Arbeitsgemeinschaften ist von großer Bedeutung, um fachübergreifend geschlechtsspezifische Unterschiede herauszuarbeiten und diese Erkenntnisse schrittweise in Diagnostik und Therapie einzuführen.“

Als problematisch bezeichnet die Sprecherin im Moment noch die Akzeptanz dieses Themas im männerdominierten Fach Chirurgie. „Wir brauchen unbedingt valide Daten und Behandlungsstudien, in denen auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede Berücksichtigung finden. Insofern sollten diese Aspekte in jede neue Studie, unabhängig von Thema und Fachbereich, von vornherein eingearbeitet werden.“ Während der 7. Herbsttagung der DGAV und der 68. Jahrestagung der DGVS im September in Nürnberg wird sich die Arbeitsgruppe Gendermedizin wieder treffen, um konkrete Aufgaben zu diskutieren. Im Rahmen dieses Kongresses findet am 12. September eine Sitzung „Genderaspekte von experimenteller Forschung bis hin zur Klinik“ statt. Darüber hinaus leitet Rau während der MEDICA am 22. November 2013 in Düsseldorf einen Kurs Gendermedizin, der sich an Ärzte aus Klinik und Niederlassung, Labormediziner, Radiologen und MTA wendet. Auch hier geht es darum, Antworten und Strategien zu vermitteln, wie zukünftig gendermedizinische Aspekte in der experimentellen Forschung und bei klinischen Fragestellungen einen zentralen Stellenwert erhalten können.

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe Gendermedizin finden Sie hier:
www.gendermed.info
 

 
 
Antje Thiel

20.08.2013