Positionspapier vorgestellt: Vertragspartner im Südwesten fordern mehr Förderung für Selektivverträge



Seit nunmehr fünf Jahren können sich Versicherte in Baden-Württemberg in verschiedene Haus- und Facharztverträge von AOK, Hausärzteverband und Medi einschreiben. Wie die drei Vertragspartner gestern (13. August 2013) im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin mitteilten, bieten diese Verträge für mehr als 1,1 Millionen Menschen „nachweislich eine neue Qualität in der ambulanten ärztlichen Versorgung“. Sie präsentierten dabei in umfangreiches Positionspapier mit gesundheitspolitischen Forderungen an die Bundesregierung.

Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, erklärte hierzu: „Wir brauchen im Herbst nach der Wahl dringend einen gesundheitspolitischen Ruck, der durchs Land geht und den Patienten dorthin rückt, wo er hin gehört: in den Mittelpunkt des Geschehens. Dafür ist ein wettbewerblich orientiertes, solidarisches Versorgungssystem unabdingbar.“ Durch die bisherigen Verträge sei genau dies im Südwesten mit einer hohen Zufriedenheit von Patienten und Ärzten entstanden. Sie gäben rund 3.500 teilnehmenden Hausärzten und knapp 1.000 Fachärzten eine neue berufliche Perspektive: durch ein angemessenes und planbares Honorar – teilnehmende Haus- und Fachärzte könnten im Durchschnitt für sich mindestens 30 Prozent mehr Vergütung verbuchen – aber auch durch erhöhte Arbeitszufriedenheit.

Die Vertragspartner zeigten sich einig darin, dass durch die Direktverträge die Arbeitsbedingungen für Ärzte deutlich verbessert werden. Auch der Praxiswert steige nachhaltig. Dennoch führten freie Direktverträge auf Bundesebene weiterhin ein Schattendasein. Und auch dem notwendigen Ausbau dieser neuen Art an Versorgungsgestaltung stünden rechtliche Schranken im zentralistischen Gesundheitswesen entgegen. Hier nannten AOK, Medi und Hausärzteverband vor allem die Refinanzierungsklausel, weil sie die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Nachweises vom Start weg fordere. „Es ist gegen jegliche Wirtschaftspraxis, bei der Investition schon den Erfolg getätigter Investitionen nachweisen zu können. Direktverträge sind eine langfristige Investition, die den wirtschaftlichen Erfolg Schritt für Schritt einfährt“, kritisierte Hermann. Die Vertragspartner im Südwesten forderten auch die Beibehaltung der Pflicht für die Kassen, Hausarztverträge anzubieten. Darüber hinaus sollten auch Facharztverträge nach § 73c SGB V verpflichtend für die Krankenkassen werden. Gleichzeitig sei eine gesetzliche bürokratiearme Bereinigungsregelung notwendig.

Der BNC, der als Verhandlungspartner an der Ausgestaltung des aktuellen Facharztmoduls „Orthopädie/Chirurgie“ in Baden-Württemberg mit beteiligt war (wir berichteten), schloss sich den Forderungen von AOK, Medi und Hausärzteverband an: „Die Verträge im Südwesten sind eine Blaupause für echten Versorgungswettbewerb, der sich an den regionalen Erfordernissen und nicht an bundesweiten verkrusteten Vertragsstrukturen orientiert“, sagte BNC-Präsident Dr. Dieter Haack.
 

 
 
Antje Thiel

15.08.2013